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Vermittlung der GFK an Kinder

Der Igel als Symbol

Im Umgang mit Kindern wird dieses Modell anhand der Figur eines Igels erklärt. Jeder Igel hat Stacheln, die er aufstellen kann, wenn er sich bedroht oder unsicher fühlt. Gleichzeitig kann er die Stacheln aber auch anlegen und sich entscheiden, seine weiche, verletzliche Seite, den Bauch, zu zeigen. Beide Seiten gehören zum Igel dazu. In Analogie dazu sprechen wir von der Stachelsprache und der Bauchsprache des Igels. Dabei steht die Stachelsprache des Igels für die von M. Rosenberg „lebensentfremdend” genannte Kommunikation. Die Bauchsprache wiederum steht für die Gewaltfreie Kommunikation.

Der stachelige Rücken des Igels spricht eine unfreundliche, respektlose und aggressive Sprache.
Er greift an, beschuldigt und beschimpft. Diese Sprache kann einen Streit noch verschlimmern.

Die weiche Bauch des Igels spricht eine sehr freundliche, respektvolle und faire Sprache.
Der Igelbauch ist der Sitz des Herzens des Igels und steht für eine weiche, herzliche und mitfühlende Haltung. Seine Sprache hilft, einen Streit zu lösen.

Die Stacheln des Igels zeigen….

Der Bauch des Igels zeigt…

…ich bin genervt, aufgeregt, aggressiv.

…ich bin verständnisvoll, friedlich und liebevoll.

…ich bilde mir ungefragt meine Meinung (wertend).

…ich frage nach, um zu verstehen, was andere meinen (wertfrei).

… ich beschuldige andere.

...ich sage, wie ich mich fühle und was ich brauche.

… ich beschimpfe andere und sehe nur mich. 

… ich suche nach Lösungen, mit denen alle zufrieden sind.

Beides, der stachelige Rücken sowie der weiche Bauch, sind Teil des Igels und genauso sehen wir auch den Menschen: Er hat zuweilen aggressive, respektlose Anteile, die vor allem dann herauskommen, wenn Bedürfnisse unerfüllt geblieben sind. Lernen wir aber, die sich aufstellenden Stacheln als Botschaft zu verstehen, die uns sagt, dass uns etwas fehlt, sind wir eher in der Lage, für unsere Bedürfnisse zu sorgen und so wieder mehr Weichheit und Empathie zuzulassen.

Sprachkurs zum Erlernen der Bauchsprache

Die Bauchsprache des Igels steht für die GFK und wird in 4 Schritte unterteilt und um einen
5. Schritt für die Konfliktlösung ergänzt. Im Themenblock „Konfliktlösung” befinden die Kinder sich in einem Sprachkurs, um die Bauchsprache zu lernen.

Schritte der Bauchsprache

Erklärung in Bezug zur Bauchsprache

Ziel

Satzanfang

Beispiel

  1. Beobachtung

Eine Beobachtung ist wertfrei und beinhaltet die eigenen Sinneseindrücke, ohne sie zu interpretieren.

Objektive Beschreibung der aktuellen Situation, anstatt sie direkt zu bewerten oder Schuldzuweisungen auszusprechen.

„Ich sehe/höre, ...“

Ich höre, dass du mir sagst, was ich tun soll.”

  1. Gefühl

Gefühle sind Signale, ob Bedürfnisse erfüllt sind oder nicht. Bei Nichterfüllung können unangenehme Gefühle entstehen.

Wahrnehmung und verständliches Ausdrücken des Gefühls in der aktuellen Situation.

Ich fühle mich … / Ich bin …“

Ich bin wütend darüber.”

  1. Bedürfnis

Bedürfnisse sind der Ursprung der Gefühle und des Verhaltens. Sie sind Motivations-geber.

Erkennen und Benennen des Bedürfnisses, das erfüllt oder nicht erfüllt wurde und das wahrgenommene Gefühl ausgelöst hat.

Ich brauche .../ Ich möchte“

Ich möchte selbst entscheiden, was ich tue. /

Ich brauche Entscheidungsfreiheit/Abstand/meine Ruhe.”

  1. Bitte

Eine Bitte ist keine Forderung. Sie ist realisierbar und verhandelbar.

Formulierung einer Bitte, deren Umsetzung das Bedürfnis erfüllen kann.

Ich bitte dich…“

Ich bitte dich, damit aufzuhören.”

  1. Lösung

Eine gute Lösung ist gefunden, wenn beide Seiten mit ihr zufrieden sind.

Nachdem beide Konfliktparteien ihre Situation mit den 4 Schritten geschildert haben, finden sie eine gute Lösung.

„Ich schlage vor…”

Beide Kinder schlagen Lösungen vor und einigen sich auf eine, die beide zufrieden stellt.

„Ich schlage vor, dass du dich entschuldigst und wir uns vertragen.”

Die GFK kann in Konfliktsituationen eingesetzt werden, um einen Streit zu beenden und Lösungen zu finden, die alle zufrieden machen. Im Gegensatz zu anderen Streitlösungsansätzen versucht die GFK keine Kompromisse zu finden, sondern konzentriert sich voranging darauf, die Gefühle und Bedürfnisse beider Parteien herauszuarbeiten. Erst danach wird geschaut, was getan werden kann, um die Bedürfnisse zu erfüllen. Mit der Bauchsprache ist es leichter herauszufinden, was in der anderen Person vorgeht. So lassen sich beispielsweise Missverständnisse schnell aufdecken und Lösungen leichter finden.

Wenn beide Konfliktparteien die Bauchsprache sprechen, schildern sie hintereinander in Bauchsprache ihre Situation und suchen eine Lösung, die beide zufriedenstellt. Spricht ein Kind die Bauchsprache nicht, kann das Kind, das die Bauchsprache beherrscht, entweder nur seine Situation schildern oder bei dem anderen Kind erfragen, was es fühlt und braucht.

Voraussetzung für so ein konfliktlösendes Gespräch ist, dass alle Beteiligten sich emotional so reguliert haben, dass sie ruhig und empathisch miteinander umgehen können. Ist dies noch nicht der Fall, können starke Gefühle in der Chill-Zone mit einem passenden Regulations-Trick heruntergefahren werden.

Anschließend geben sich die Beteiligten ein High Five, um zu signalisieren: Ich bin in Ordnung. Du bist in Ordnung, auch wenn wir gerade verschiedene Bedürfnisse haben.

Unsere Bilder für die 5 Schritte der Bauchsprache

Alle GFK Grafiken-20240418-100053.png

Der 1. (und für die Kinder meist herausfordernde) Schritt der GFK wird in mehreren Einheiten gelernt und eingeübt. Anschließend kommen die Schritte 2, 3 und 4 dazu und werden ebenfalls in mehreren Einheiten geübt. Beim Thema 2 „Konfliktlösung” kommt dann der 5. Schritt hinzu.

Um die Schritte zu veranschaulichen, verwenden wir Visualisierungen. Sie helfen es den Kindern, sich an die Schritte zu erinnern und beim Sprechen der Bauchsprache keinen zu vergessen. Die Bilder sind Teil des Materialkoffers und werden zu Beginn jeder Stunde in der Chill-Zone aufgehängt.

Die Rolle der Chill-Zone beim Thema „Konfliktlösung“
Die Chill-Zone begleitet uns auch beim Thema „Konfliktlösung“. Dort finden die Kinder stets die
Bilder der Emotionsregulations-Tricks, das Bedürfnis-Poster und später auch die Bilder zur Bauchsprache als Erinnerung an das bisher Gelernte.
Die Chill-Zone ist der Ort, an dem die Kinder ihre Gefühle beruhigen können, bevor sie Konflikte
besprechen. Denn die Grundvoraussetzung für die Anwendung der GFK ist eine wertschätzende
und akzeptierende Haltung der Streitparteien: „Ich bin okay. Du bist okay.“
Zu dieser Haltung finden wir leichter, wenn wir nicht mehr so wütend oder verletzt sind.


Kein Trick hilft – und dann?
Es gibt natürlich auch Situationen, wo beide Kinder noch nicht zu einem High Five bereit sind
oder es nicht klappt, mit den Tricks die starken Gefühle zu beruhigen. Das kann besonders beim
Besprechen realer Streitigkeiten passieren (v. a. beim Unterthema „Konfliktlösung mit der GFK“).
In so einem Fall kann die Konfliktlösung auf einen späteren Moment, der gemeinsam festgelegt
wird, vertagt werden.
Wichtig: In der GFK gibt es keine Forderungen oder Befehle, sondern Bitten, die das Gegenüber
natürlich auch ablehnen kann. Auch hier können folgende Fragen hilfreich sein: „Wieso kannst
du meine Bitte noch nicht annehmen? Was müsste passieren, damit du das kannst?“
Wir empfehlen, den Begriff „Konflikt“ nicht im Gespräch mit den Kindern zu benutzen, da er
vielen vermutlich noch nicht so bekannt ist. Stattdessen sprechen wir von „Streit“.

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