Thema 3: Emotionsidentifikation
Emotionsidentifikation bedeutet, eine Emotion wahrnehmen und identifizieren zu können sowie sie von anderen Emotionen abgrenzen zu können. Dabei kann es sich um die Wahrnehmung eigener Emotionen oder der Emotionen anderer Menschen handeln.
Einordnung des Themenblocks
In dem Themenblock „Emotionsidentifikation“ verbessern die Kinder ihre Kompetenz, eigene Emotionen und die Emotionen von anderen Kindern wahrzunehmen. Dies stellt die Grundlage dafür dar, die eigenen Emotionen auszudrücken, und bereitet somit für das folgende Thema „Emotionsexpression“ vor. Das Erkennen der Emotionen anderer Menschen ist außerdem die Basis für die Perspektivenübernahme und das Empfinden von Empathie (Übungskatalog II).
Dieser Themenblock ist in drei Unterthemen gegliedert:
Unterthema 1: Basisemotionen kennenlernen
Die Kinder lernen die sechs universellen Basisemotionen (das heißt damit einhergehende Gesichtsausdrücke werden weltweit mit der jeweiligen Emotion in Verbindung gebracht) kennen. Diese Basisemotionen sind: Angst, Ekel, Freude, Trauer, Überraschung und Wut. Das Kennen der Basisemotionen ist die Grundlage für die Emotionsidentifikation und -expression.
Wie schaffen wir das?
Durch jeweils eine Übung zu jeder der sechs Basisemotion werden diese für die Kinder erfahrbar gemacht. Die Kinder lernen die körperlichen Anzeichen der Emotion wahrzunehmen (z. B. „Wie siehst du aus, wenn du traurig bist?“) und erkunden gleichzeitig, wie sich die Emotion anfühlt (z. B. „Was fühlst du, wenn du traurig bist?“). Es findet ein Austausch über Situationen statt, in denen die Kinder schon einmal diese Emotion erlebt haben, und es werden erste Tipps und Ideen gesammelt, was die Kinder tun können, um mit dieser Emotion umzugehen.
In diesem Unterthema finden die Übungen nicht in Fantasiewelten statt, um die Nähe zum realen Empfinden der Kinder herzustellen.
Tipp für die Lehrkraft zu 3.1 „Basisemotionen kennenlernen“
Es besteht die Möglichkeit, die jeweilige Basisemotion nicht nur in der „Hauptübung” zu thematisieren, sondern sie in alle Elemente der Einheit zu integrieren:
Begrüßung
Schon mit der Begrüßung kann die Lehrkraft die jeweilige Basisemotion ankündigen und sie kurz besprechen, sodass jedes Kind ein allgemeines Verständnis erhält, welche Emotion in der Einheit im Mittelpunkt steht.
Variation I des BUNTER BALL-Spiels
Die Kinder bekommen in der Einheit, die vor der Einheit zur jeweiligen Basisemotion, z. B. „Freude”, stattfindet, eine kleine Hausaufgabe: „Bringe nächste Woche einen Gegenstand mit in die Einheit, der dir Freude bereitet.” Diese Hausaufgabe können die Kinder immer erhalten, wenn die Lehrkraft es für sinnvoll erachtet. Im BUNTER BALL-Spiel tragen sie dann ihren Gegenstand mit sich durch die Sporthalle und erzählen ihrem Partnerkind bei Musikstopp, warum sie diesen Gegenstand ausgewählt haben.
Variation II des BUNTER BALL-Spiels
Das BUNTER BALL-Spiel wird zunächst ohne Ball durchgeführt. Die Kinder laufen durch die Sporthalle und bei Musikstopp erzählen sie ihrem Partnerkind, wann sie sich das letzte Mal z. B. gefreut haben. Zum Abschluss der Übung wählt jedes Kind noch seinen Ball passend zu seiner aktuellen Emotion und wirft ihn in den Turnkasten, der im Kreis der Freundschaft steht.
Abschluss
Spätestens in der Abschlussrunde soll bei den eher schwereren Emotionen (Angst, Trauer, Ekel, Wut) besprochen werden, was die Kinder tun können, um mit der Emotion umzugehen. Dafür werden gemeinsam mit den Kindern Tipps und Ideen gesammelt.
Unterthema 2: Eigene Emotionen identifizieren
Die Kinder erfahren, wie sich eine Emotion im eigenen Körper anfühlt. Es geht darum herauszufinden, woran Emotionen im eigenen Körper zu erkennen und voneinander zu unterscheiden sind. Wie fühlt sich die Emotion an? Welche Gedanken gehen damit bei mir einher? Was will ich in dieser Situation am liebsten machen? Was passiert in dieser Situation in meinem Körper? Welche Körperposition nehme ich in dieser Situation ein und was passiert in meinem Gesicht?
Wie schaffen wir das?
Durch Übungen mit Musik, Bewegung, Gedankenexperimenten, Nähe-und Distanzerfahrungen zu anderen Kindern sowie Folgen und Führen werden Situationen kreiert, die unterschiedliche Gefühle bei den Kindern hervorrufen. Die Kinder werden dazu angeleitet, in Verbindung mit ihren Gefühlen zu bleiben und auch zu beobachten, wie sie sich verändern. Dabei ordnen wir zunächst alle Gefühle den sechs Basisemotionen zu. Bereits das BUNTER BALL-Spiel, das zu Beginn jeder Einheit durchgeführt wird, zielt auf die Identifikation (und Expression) der eigenen Emotionen ab.
Unterthema 3: Emotionen anderer wahrnehmen
Die Kinder lernen, woran sie eine Emotion bei einer anderen Person erkennen können. Es geht darum, grundlegend wahrnehmen zu können, welche Emotion eine andere Person derzeit vorrangig empfindet. Was verraten die Gesichtszüge der anderen Person? Was sagt ihre Körpersprache? Wie atmet sie? Wie verhält sie sich? Was sagt sie?
Wie schaffen wir das?
Durch Bewegungsübungen, in denen die Kinder Fotos von Personen mit emotionalen Gesichtsausdrücken (Gefühlskarten) identifizieren oder bei denen die Kinder pantomimisch dargestellte Emotionen anderer Kinder erkennen sollen. Wieder konzentrieren wir uns auf die sechs Basisemotionen. Die folgenden Fragen kannst du ergänzend zu den regulären Reflexionsfragen einer Übung stellen:
Vertiefende Reflexionsfragen zu den Übungen aus Unterthema 3
Woran erkennst du, dass
sich ein anderes Kind freut?”
→ Lächeln/Lachen, Lachfalten bzw. lebendige und entspannte Körperspracheein anderes Kind wütend ist?”
→ Punkt zwischen den Augenbrauen ist gerümpft, Stirn ist gerunzelt, Augen sind zusammengezogen, ganzer Körper ist angespanntein anderes Kind traurig ist?”
→ hängende Mundwinkel, hängender Kopf, Körper ist entspannt, ggf. Tränen, Blick eher nach untenein anderes Kind Angst hat?”
→ geweitete Pupillen, aufgerissene Augen, klein machen/verstecken, Körper ist angespanntein anderes Kind überrascht ist?”
→ offener Mund, weit geöffnete Augen und hochgezogene Augenbrauenein anderes Kind sich ekelt?”
→ gerümpfte Nase, Augen zusammengekniffen, ggf. Zunge herausgestreckt/Nase ist zugehalten