Sozial-emotionales Lernen (SEL)
Unter sozial-emotionalem Lernen (SEL) verstehen wir ein Schlüsselelement in der Entwicklung von Kindern zu physisch und psychisch gesunden Erwachsenen. Sozial-emotionales Lernen verbessert das Wahrnehmen und Erkennen der eigenen Emotionen und der Emotionen anderer Personen. Es schult die Einordnung und Benennung von Emotionen, sowie die anschließende angemessene Bewertung und Regulation dieser (Wiedebusch & Petermann, 2011).
Während die emotionale Komponente des SEL sich mehr auf psychologische und intrapsychische Prozesse bezieht, geht es bei der sozialen Komponente mehr um das Verhalten in sozialen Interaktionen, um die Schulung von Problemlösefähigkeit und um eine Auswahl an Handlungsalternativen (Wadepohl, Koglin, Vonderlin & Petermann, 2011). SEL fördert außerdem die Empathiefähigkeit und die Fähigkeit, sich prosozial zu verhalten (Wadepohl et al., 2011; Wiedebusch & Petermann, 2011). Empathie und Mitgefühl sind grundlegende Bausteine für ein moralisches und soziales Verhalten. Kinder lernen positive, respektvolle und wertschätzende Beziehungen aufzubauen und zu erhalten, Entscheidungen nachhaltig und verantwortungsvoll zu treffen und anderen Meinungen bzw. Weltanschauungen offen gegenüberzutreten (Durlak, Weissberg, Dymnicki, Taylor & Schellinger, 2011; Payton et al., 2008).
SEL beschreibt somit einen Prozess des Erwerbs verschiedener Fähigkeiten und Kompetenzen, die den Grundstein für ein glückliches und erfolgreiches Leben bilden. Das „Collaborative for Academic, Social, and Emotional Learning“ (CASEL) definiert die fünf zentralen zu erlernenden Fähigkeiten wie folgt:
Selbstwahrnehmung (self-awareness): Beschreibt die Fähigkeit die eigenen Gefühle, Werte und Normen zu kennen und anzuerkennen. Auch ein stabiles Selbstwertgefühl wird hierzu gezählt.
Selbstregulation (self-management): Bezeichnet die Regulation der eigenen Gefühle, insbesondere Impulse zu unterdrücken und seine Emotionen angemessen zu verbalisieren; auch die eigene Zielsetzung und -verfolgung gehören thematisch zur Selbstregulation.
Fremdwahrnehmung (social-awareness): Meint die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und damit Empathie zu zeigen, Gefühle und Emotionen nachzuvollziehen und sich in Gruppen wie der Familie oder der Schulklasse sozial zu integrieren.
Beziehungskompetenz (relationship-skills): Beschreibt die Herstellung und der Erhalt von positiven Beziehungen auf Basis von gegenseitiger Unterstützung, Wertschätzung und Respekt.
Verantwortungsvolle Entscheidungsfindung (responsible decision-making): Bedeutet, dass Entscheidungen unter Anbetracht ethischer und sozialer Normen getroffen werden können. Auch das Abwägen inwiefern eine Entscheidung andere Personen betreffen kann und die entsprechende Berücksichtigung zählt hierzu.